Kannste kaufen: Folge 1 – Razer Core X Chroma
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Kannste kaufen: #1 – Razer Core X Chroma

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Verarbeitung und Einbau

Von der Verpackung, über die Verarbeitung bis zum Einbau der Grafikkarte und des „Schlittens“ – hier gibt’s absolut nichts auszusetzen. Okay, mehr Pappe, weniger Kunststoffe bei der Verpackung wären sehr schön. Der Einbau geht sehr einfach und bekommt selbst ein absoluter Laie ohne Probleme auf die Reihe. Und es braucht auch keinerlei Werkzeug. Am Gehäuse selbst wird nur ein großer Hebel umgelegt, dann kann man den gesamten Schlitten nach hinten herausziehen. Hier wird mit einer Schraube der Gehäuse-Slot freigemacht, die Grafikkarte nun in den PCIe-Slot gesteckt und am Ende noch die zusätzliche Stromversorgung der Grafikkarte eingesteckt. Die Kabel hierzu (2x 6 bzw. 8-Pol) liegen direkt bereit – sind mit einem Klettband neben dem Gehäuselüfter befestigt. Einstecken, Schlitten wieder in das Gehäuse, Hebel umlegen, Kabel außen einstecken, fertig.

Einziger Kritikpunkt: Bei einem Gehäuse für rund 300 bzw. 400 Euro, sollte dann doch ein besserer 120mm-Lüfter verbaut sein. Er ist gut, aber es geht eben auch besser. Kann man sich aber selbst umrüsten, wenn man mag.

Außengehäuse und Schlitten, damit Entsicherungshebel.
Schlitten mit verbauter ASUS Radeon RX 580 8GB OC

Anschluss und Betrieb

Kommen wir zum Sorgenkind. Dieses heißt nicht Razer, sondern Apple. Doch der Reihe nach: Ich habe nun also die Grafikkarte verbaut, den soliden und schweren Metallkasten auf den Schreibtisch gehievt, von meinen beiden Monitoren die vorhandenen DisplayPort-Kabel sowie das Maus-Kabel angeschlossen. Ja, ich nutze eine Logitech G402 mit Kabel, da mir ständiges Laden oder winzige Mäuse für meine Pranke auf den Nerv gehen. Das 70cm lange USB-C-Kabel mit dem MacBook verbunden und den Mac gestartet.

Bis zum Login kam ich und dann war auch schon wieder Schluss.

Nun denkst du sicher: „Toll, zusätzliche Technik und nichts geht richtig, war ja klar!“. Kann man schon denken, muss man aber nicht. Also machte ich mich an die Fehlersuche. Ohne angeschlossene eGPU (so nennt man diesen Spaß übrigens) klappte der Login und das Laden des Benutzerprofils direkt. Also noch einmal probieren. Wieder derselbe Fehler. Okay, mal googeln.

Es stellte sich heraus, dass Apple mit dem Update 10.15.1 von Catalina den eGPU-Support erweiterte und nun auch zum Beispiel 5700 XT von AMD unterstützt, jedoch mit dem darauffolgenden Update 10.15.2 diese Funktion dank Firmware-Fehlern selbst zerschossen hatte. Drei Mal darfst du raten welche Version ich installiert hatte. Richtig, natürlich das aktuelle (Anfang Dezember 2019) Update – wie es sich gehört. Die Foren sagten, dass es eben dieses Problem beim Login gäbe, ansonsten aber alles läuft. Wie ein Auto mit montiertem Ersatzrad also. Dem war auch so. Schloss man das USB-C-Kabel nach erfolgtem Login an, wenn das Benutzerprofil vollständig geladen war, wurde auch alles korrekt erkannt und lief. Okay, nicht ganz korrekt. Während Netflix und Amazon Video im Browser liefen (mit Kopierschutz), hatte Apple TV+ keine Lust und schaltete in weniger als einer Sekunde das Videomaterial direkt ohne Meldung ab. Mir dämmerte, dass es wohl irgendwelche Probleme beim Kopierschutzmechanismus geben wird, die Apple gerade nicht auf die Reihe bekommt. Etwas Recherche ergab: Ich habe nichts falsch gemacht und das ist auch gar kein Problem mit der eGPU und DisplayPost-Kabeln (aktuelle Spezifikation).

Offenbar schon, dachte ich. Also wühlte ich im Kabelsalat noch zwei HDMI-2.0-Kabel hervor, baute meinen halben Schreibtisch auseinander (gefühlt) und schloss die eGPU nun per HDMI an beide Monitore an. Während jemand im Apple-Forum meinte, dass das Login-Problem mit HDMI-Kabeln nicht bestehen würde, kann ich nun sagen: Bullshit. Funktioniert genau so wenig. Also wieder den Ohne-Kabel-Wortaround genutzt. Und siehe da, nun hat auch die App Apple TV wieder Lust mitzuspielen.

Genervt meldete ich mich nachts um 2 Uhr wieder beim Apple Beta-Programm für macOS an und installierte die Beta 1 von 10.15.3. Schließlich sollte Apple seinen eigenen Fehler wohl bemerkt und korrigiert haben – denn dieser tritt immerhin bei allen Benutzern dieser eGPUs auf. Denkste. Der Fehler besteht ohne jede Veränderung auch im nächsten Update. Was nun? Der Ohne-Kabel-Workaround ist für mich keine Lösung, sondern ein Geschwür. Schließlich bedeutet dies auch, dass man das MacBook nach jedem Ruhemodus wieder aus der Haltung nehmen und starten muss. Denn wieder reinstellen, Kabel dran etc.

In den Foren las ich dann noch, dass FileVault von Apple (also die Verschlüsslung der Daten im System) das Problem auslösen könnte. So etwas hatte ich schon einmal, da ging der Login nicht, wenn externe Laufwerke angeschlossen waren. Könnte also gut sein. Doch während es bei einem lokalen Mac (zum Beispiel iMac, Mac mini etc.) nicht ganz sooo relevant ist seine Daten auf den Laufwerken zu verschlüsseln, ist es mobil doch sehr wohl relevant. Schließlich kann das MacBook schnell mal weg sein. Ebenso, weil daran die wichtigste Änderung hängt: Den automatischen Login zu aktivieren (ohne diesen Schritt geht’s sonst auch nicht).

Um jetzt nicht noch weiter abzuschweifen: Wenn man FileVault deaktiviert und den automatischen Login aktiviert, läuft alles mit angeschlossenem Kabel problemlos. Sowohl das Aufwachen aus dem Ruhemodus als auch Neustarts oder generell das Starten vom MacBook. Dafür kann weder Razer etwas, noch ASUS als der Grafikkarten-Hersteller oder AMD als Grafikchip-Hersteller. Denn Apple stellt alle Treiber und Firmware hierfür exklusiv selbst zur Verfügung. Get your shit together, Apple!

Betrieb – die Zweite

Nun haben wir das Login-Dilemma mit ein paar Workarounds weiträumig umfahren und erfreuen uns der Performance. Nein, hier versteckt sich ausnahmsweise keine Einschränkung. Schlussendlich ist die Performance natürlich von der verbauten Grafikkarte abhängig. Doch wenn man sieht, dass man eine RX 580 mit 8GB Speicher für unter 180 Euro und das Razer Core X (ohne Chroma) für unter 300 Euro kaufen kann, handelt es sich um ein für Apple sehr günstiges Upgrade. Doch Zahlen sagen mehr als Worte.

GPU-Benchmarks mit Geekbench 5 (Compute; GPU)

OpenCL Score – vorher: 7.126 Punkte*
OpenCL Score – nachher: 43.238 Punkte (+515%*)

Metal Score – vorher: 3.078 Punkte**
Metal Score – nachher: 46.931 Punkte (+700%**)

* Wird in den Charts jedoch mit 8.393 Punkten geführt. Steigerung deswegen hiervon berechnet.
** Wird in den Charts jedoch mit 6.698 Punkten geführt. Steigerung deswegen hiervon berechnet.

Wie fühlt es sich an?

Schneller. Der Lüfter vom MacBook ist deutlich weniger aktiv, einfach alles fühlt sich flüssiger an. Sei es selbst YouTube im Browser oder Lightroom Classic, oder Photoshop 2020 oder, oder, oder. Als ich vor dem Kauf las „Spiele seitdem an meinem MacBook Air (!) mit Windows 10 drauf Shooter mit 100 FPS“ dachte ich noch: „Ja, klar. Als ob die CPU da nicht direkt zum Flaschenhals wird.“ Nun muss ich sagen, dass ich mir das durchaus ohne Übertreibungen vorstellen kann.

ASUS Radeon RX 580 8GB OC mit Stromversorgung, Netzteil und 120mm-Lüfter.

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